Project Description

Therapie-Handbike

Das Therapie-Handbike, eigentlich Hand- und Fussbike, verlagert das tägliche therapeutische Training in die Natur. Arme und Beine werden gleichzeitig, natürlich, asynchron, bewegt. Diese Bewegungsmuster und deren Wirksamkeit sind von stationären Therapiegeräten bekannt. Die wichtige Zeit, die man mit dem Trike verbringt, verleiht dadurch doppelten Gewinn.

Querschnittgelähmte treiben das Therapie-Handbike primär mit den Armen an. Der Kettenverlauf stellt sicher, dass mit der Handkurbelbewegung die Beine mit bewegen. Ein E-Bike Motor unterstützt den Vortrieb.

Menschen mit inkompletter Querschnittlähmung, Hemiplegie, Cerebralparese oder Spastik nutzen zusätzlich die Beine um Vorwärts zu kommen.

Jedem Nutzer ist dabei freigestellt wie hoch er den sportlichen Aspekt in den Vordergrund stellt.

Schnellübersicht Therapie-Hand(Fuss)bike

Sitzposition: Anatomisch ideal, relativ aufrecht

Rahmen: Aluminium oder Stahlrahmen mit guter Einstellbarkeit

Schaltung: Ketten- oder Nabenschaltungen.

E-Antriebe: Getriebe-Nabenmotoren

Bremsen: Scheibenbremsen vorne und hinten. Für Tetraplegiker Spezialbremsen

Radsturz: kein oder nur wenig, dafür breitere Spur.

Räder: Hinten 559 (26″) guter Pannenschutz / vorne 406 (20″)

Sicherheit: Signalflagge und Beleuchtung

Sitzposition

  • Für das Therapie-Handbike empfiehlt sich eine etwas nach hinten geneigte Standard-Sitzposition .
  • Durch die Bewegung der Beine kommen die Knie recht hoch und können so, vorallem bei Lenkbewegung, mit den Kurbelgriffen in Konflikt geraten. Aus diesem Grunde sind die Kurbeln relativ hoch angesetzt.
  • Für Vorspann-Therapie-Handbikes sollte der Rollstuhl über eine genügend hohe Rückenlehne verfügen.
mehr zu Sitzpositionen
Trike Easy Sitzposition
Quelle: Sebastian Tobler Privatarchiv
BerkelBike-Connect Vorspann-Therapie-Handbike
https://berkelbike.de/produkte/berkelbike-connect/

Rahmen

Trike Easy Therapie-Handbike
Quelle: www.gby.ch
Deltatrike Therapie-Handbike
Quelle: http://recumbent.net.au/berkel-bike/
  • Die Tadpole-Trike Anordnung (hinten ein angetriebenes Rad und vorne zwei gelenkte Räder) bringt den Vorteil, dass der Nutzer zwischen die gelenkten Vorderräder sitzen kann. Bei der Deltatrike Anordnung muss der Nutzer höher sitzen, damit das kleine gelenkte Rad unter der Kurbel lenken kann.
  • Therapie-Handbikes haben nicht den Anspruch super leicht zu sein, Rahmen aus Aluminium oder Stahl eignen sich deshalb.
  • Bei Tadpole-Trikes ist ein breiter Radstand für genügend Lenkeinschlag wichtig.
  • Deltatrikes erleichtern den Transfer, da bei Tadpole-Trikes das Vorderrad störend sein kann.
mehr zu Rahmen

Handgriffe / Schaltung

  • Sinnvollerweise werden Therapie-Handbikes mit Elektro-Nabenmotoren gefahren. Eine moderne 3×11 Kettenschaltung mit einer an das Standard Fussgänger-Mountainbike angelehnten Entfaltung macht am Therapie-Handbike am ehesten Sinn. Vorschlag 24-33-44 und einer Kassette von 11 – 46 Zähne auf einem Rad mit 47-559 Bereifung.
  • Varianten mit 406 (20“) Antriebsräder brauchen längere Entfaltungen.
  • Handgriffe ovales Griffrohr mit Schalt- und Bremsarmaturen am Griff.
  • Idealerweise die kabellose, elektronische SRAM Eagle eTap. Falls sie dann auf dem Markt ist.
  • Therapie-Handbikes sollen auch von Halbseitiggelähmten (hemiplegisch) oder Menschen mit cerebralen Paresen gefahren. Solche Ausführungen verlangen oft einiges an Kreativität wo, wie und welche Schaltelemente plaziert werden können.
mehr zu Handgriffe und Schaltelementen
SRAM Eagle eTap am Handbike
Quelle: https://marathonmtb.com

E-Handbike Antriebe

E-Antrieb am Trike-Easy
Quelle: www.gby.ch
  • Mit Therapie-Handbikes können, nebst aktiven Menschen auch solche mit starken Einschränkungen Outdoor Aktivitäten nachgehen, so ist eine elektrische Unterstützung besonders wichtig.
  • Während aktive Handbiker sich am Boden oder an den Hinterrädern abstützen und so rückwärts fahren können, ist das für die meisten Nutzer der Therapie-Handbikes nicht möglich. Ein Therapie-Handbike braucht einen Motor mit Rückwärtsgang.
  • Aus technischen Gründen (Freilauf) können nur Nabenmotoren mit Rückwärtsgang angeboten werden.
  • Auch aus Platzgründen macht der Nabenmotor hier wirklich Sinn.
mehr zu E-Handbike Antrieben

Bremsen

Zuverlässigkeit ist beim Therapie-Handbike oberste Priorität. Die verschiedenartigen Behinderungen bei denen das Therapiegerät eingesetzt wird, verlangen nach kreativen und trotzdem sicheren Lösungen.

  • Zwar kommt das UCI Reglement beim Therapie-Handbike nicht zum Tragen, trotzdem sind zwei unabhängig voneinander funktionierenden Bremsen Pflicht.
  • Für hemiplegische (einseitig gelähmte) Menschen müssen beide Bremsen auf eine Seite verlegt werden.
  • Bremsen die mit den Ellbogen bedient werden können,, wie bei den Tetra-Handbikes, eine Lösung sein.
  • Scheibenbremsen können ohne grossen Kraftaufwand, gefühlvoll gute Verzögerungswerte bieten und machen so durchaus Sinn.
mehr zu Bremsen
Schmicking Tetra Solutions Ellbogen schaltung
Quelle: http://schmicking-uk.co.uk

Radsturz

Therapie-Handbike Trike Easy
Quelle: www.gby.ch
  • Die Lenkgeometrie von Tadpole-Trikes sieht im Geradeauslauf keinen bzw, nur geringen Radsturz vor. Werden die Räder eingelenkt neigen sich die Räder etwas. Radsturz im Sinne wie wir ihn bei den klassischen Deltatrike-Handbikes kennen gibt es nicht.
  • Die Bewegungen der Beine benötigen mehr Raum zwischen den Rädern, Radsturz würde diesen Raum einschränken.
  • Aber auch bei Deltatrike-Therapie-Handbikes bringt der Radsturz keinen Nutzen.
mehr zu Radsturz

Räder

  • Um genügend Freiraum für die Beinbewegung zu erhalten verfügen Therapie-Handbike in Tadpole Geometrie üblicherweise über 406 (20“) Vorderräder.
  • Das hintere Antriebsrad darf dagegen ein klassisches 559 (26“) Rad sein.
  • Das Berkel Deltatrike-Therapie-Handbike läuft vorne auf einem kleinen 355 (16“) Rad und hinten auf 406 (20“) Rädern.
  • Auch das Berkel-Bike Connect Vorspann-Therapie-Handbike wird mit einem 355 (16″) Rad geliefert.
mehr zu Räder
Berkelbike Therapie-Handbike
Quelle: www.berkelbike.de

Reifen

Schwalbe BigAppleSchwalbe SmartSam
Quelle: www.schwalbe.com
  • Breitere, grossvolumige Reifen mit moderatem Profil sorgen für guten Komfort. Vorschlag: Hinten und vorne Schwalbe Big Apple ca 50 mm breit
  • Bei der Tadpole Version des Trike-Easy darf der hintere Antriebsreifen auch etwas mehr Traktion und Pannenschutz bieten, besonders wenn ein E-Antrieb zum Einsatz kommt. Vorschlag: Michelin Energy, Continental Contact oder Schwalbe Energizer Plus, 45 bis 50mm breit, was der Dimension 45-559 bis 50-559 entspricht.
  • Für etwas Zusatzgrip gerne z.B. Schwalbe SmartSam.
mehr zu Reifen

Sicherheit

  • Jedes Handbike soll über ein „safety rack“ verfügen. Daran werden mindestens eine Fahne und Rückstrahler montiert.
  • Ohne Rückstrahler weiss vorne, rot hinten und orange seitlich soll kein Handbike auf Strassen unterwegs sein.
  • Für Dämmerungs- und Nachtfahrten ist aktive Beleuchtung unabdingbar. Kombiniert fest montiert, idealerweise am „safety rack“ und am Helm.
  • Viele E-Bike-Antriebssysteme verfügen über einen Ausgang (Anschluss) für Licht, so kann man sich extra Akkus fürs Licht sparen. Die Bedienung wird dadurch bequem von der E-Bike Steuerung betätigt. Bild rechts unten Bosch Intuvia mit Lichtschalter.
mehr zu Sicherheit
Sicherheitswimpel
Quelle: https://tadpolerider2.wordpress.com
Lichtschalter am Bordcomputer
Quelle: https://www.bosch-ebike.com

Finde Dein persönliches Handbike