MTHB / Mountain Handbike

Mit seinem MTHB Mountain Handbike sucht der Haudegen rasante Abfahrten mit engen Kurven und treppenartige Schwellen, grossen Steinblöcken, Sprünge oder Bachdurchfahrten genauso wie, steile Aufstiege auf losem oder bewachsenem Untergrund. Idealerweise findet er diese Voraussetzungen in Bike-Parks.  Höchstgeschwindigkeit gehört nicht zum erklärten Ziel.

Schnellübersicht MTHB Mountain Handbike

Sitzposition: Frosch- oder Standard-Position.

Rahmen: Aluminium und Stahl, robust, moderate Einstellbarkeit, vollgefedert.

Schaltung: zuverlässige Ketten- oder Nabenschaltung. Sehr grosses Übersetzungsverhältnis mit extrem kurzen Gängen.

E-Antriebe: Ausschliesslich Mittelmotoren

Bremsen: Scheibenbremsen an allen Rädern.

Sitzposition

  • Der Schwerpunkt am Mountain Handbike muss möglichst tief sein. Die Frosch-Position eignet sich hervorragend damit komplett Gelähmte den Mountain-Handbike Sport frönen können.
  • Handbikes mit Froschposition sind stark in ruppigen Bergabfahrten, weniger für grössere, längere Touren.
  • Wer mit seinem Mountain-Handbike längere Fahrten auf Kies- und Wanderwegen durch Wälder und Wiesen, sowie Berge hoch kurbeln will, legt sich ein Tadpole-Handbike (ein Antriebsrad hinten / zwei gelenkte Räder vorne) zu. Diese MTHB Mountain Handbikes in Standardposition sind extrem wendig und bieten sehr hohe Traktion.

MTHB Rahmen

  • Die Tadpole-Trike Anordnung (hinten ein angetriebenes Rad und vorne zwei gelenkte Räder) hat sich sehr bewährt. Das Tadpole-Handbike ist sehr wendig, bietet hohe Traktion und lässt sich relativ einfach auf allen drei Rädern federn.
  • MTHB Rahmen müssen viel aushalten. Aluminium oder Stahl eignen sich besonders für den Rahmenbau dieser Handbikes.
  • Vollfederung mit grossen Federwegen bringt viel Freude und erhöht den Spassfaktor um einiges.
  • Breite Radstände erhöhen die Kippstabilität, aber die Gesamtbreite muss unter einem Meter bleiben.
  • Grosse Bodenfreiheit gehören zum Mountain-Handbike.
  • Gelenkt wird mit einem Brustpolster und downhill zusätzlich mit dem Lenker. Der Lenker ist auch Träger der Brems- und Schaltarmaturen.

Handgriffe / Schaltung

  • Beim MTHB müssen oft sehr viele Gänge übersprungen werden, häufig im Stand. So bieten sich Nabenschaltungen wie Shimano Alvine 11-Gang oder 14-G Rohloff-Schaltungen an. Aber Achtung: Kleine Gänge und starke E-Bike Motoren können Schaltungen schrotten.
  • Seit September 2025 ist die elektronische Rohloff-Schaltung E-14 auch für Bafang Motoren erhältlich.
  • Handgriffe anatomisch geformte Kunststoffgriffe.
  • Bei Frosch-Position-MTB-Handbikes werden die Kurbelgriffe nicht parallel sondern alternierend angebracht, so wie bei Fahrrädern für Fussgänger.

MTHB E-Antriebe

  • Für MTHB lohnt der Einsatz von Mittel-/Kurbelgehäuse-Motoren. Durch die Schaltung hinter dem Motor, kann sehr langsam und drehmomentstark gefahren werden ohne den Motor zu verbrennen.
  • Der Mittel-/Kurbelgehäuse-Motor muss so tief wie möglich verbaut sein, idealerweise im Rahmen.
  • Nabenmotoren sind zwar unkompliziert in der Montage, für den Einsatz am MTHB nur dann sinnvoll, wenn der Anteil an Gravel-Fahrten höher ist als das eigentliche Mountainbiken.
  • Bei Motoren mit Torque-Sensor Steuerung (CYC Photon, Shimano E8 oder Bafang M560) messen Sensoren die Kraft die auf die Kurbel gedrückt wird. Diese Systeme sind allerdings für Beinkraft von Fussgängern programmiert. Handbiker*innen müssen relativ viel Kraft aufwenden um den Motor zu aktivieren. Für gut trainierte Handbiker ist das System hervorragend, schwächere Menschen werden beklagen, dass sie schnell ermüden.

Bremsen

  • Wer steile Gefälle, durchsetzt mit Steinblöcken oder losem Geröll hinunterfährt will zuverlässige Bremsen die sich gefühlvoll bedienen lassen. Scheibenbremsen an allen drei Rädern sind unbedingt angesagt.
  • Im Gelände kann es mal vorkommen dass man stillstehen muss. Sehr wichtig ist darum eine gut funktionierende Feststellfunktion. Sie bringt auch beim Transfer grosse Erleichterung.
    Vorschlag Tektro Auriga Twin vorne und/oder Tektro Auriga Comp hinten. Zwei Fliegen mit einer Klatsche. Super hydraulische Bremswirkung und simple, funktionierende Feststellbremse.
Schmicking MTB Hinterradbremse
Quelle: www.schmicking-uk.co.uk

Radsturz

SportOn Fat Explorer
Quelle: SportOn Jarek Rola Privatarchiv
  • Die Lenkgeometrie von Tadpole-Trikes sieht im Geradeauslauf keinen Radsturz vor. Werden die Räder eingelenkt neigen sich auch die Räder etwas. Radsturz im Sinne wie wir ihn bei den klassischen Deltatrike-Handbikes kennen gibt es nicht.
  • Die Konstruktion mit zwei gelenkten Rädern vorne zwingt konstruktionsbedingt zu breiter Spur, weil sonst, das kurveninnere Rad mit dem Bein in Konflikt gerät, wenn voll eingelenkt wird. Somit ist das Thema Kippstabilität abgehakt.

Räder

  • Mountain-Handbikes rollen idealerweise auf grossen Rädern um grosse Steine, Treppen oder Wurzelstöcke überwinden zu können.
  • Bei Tadpole Handbikes welche vorne über zwei gelenkte Räder verfügen, schränkt die Radgrösse jedoch den Lenkeinschlag ein. Hersteller wie SportOn und Reactiv montieren trotzdem 559 (26“) grosse Rädern vorne und hinten. Der Kobold steht vorne auf 507 (24″) Rädern, durch die frei schwingende, weiche Federung mit 150 mm Federweg, wird der Nachteil der kleineren Vorderräder kompensiert.
  • Diese Dimension 559 (26″) verliert in der Fussgänger MTB Szene an Wichtigkeit, zugunsten der grösseren 584 (27.5“) und 622 (29“) Rädern.
    Nichts spricht dagegen auch an MTB-Handbikes auf 584 (27.5“) zu wechseln. Bei dieser Grösse ist das Angebot an Felgen und Reifen ungleich grösser.
  • Twentyniner 622 (29“) sind für das Handbike einfach zu riesig. Benötigen viel Platz und machen das Handbike extrem lang.
  • FAT-Handbikes laufen ebenfalls mit 559 (26“) Rädern vom Band. Mit ihren 100-559 Reifen bekommen die Räder jedoch einen Durchmesser von ca 75cm das ist riesig. Entsprechend muss die Untersetzung extrem klein ausfallen, sonst ist schnell Feierabend.
  • Die Felgen sollen von robuster, stabiler Bauart sein.
  • Wer an der Anzahl Speichen spart riskiert den frühzeitigen Radkollaps. Mindestens 36 Stück pro Rad sollten es sein.

Reifen

Quelle: https://www.continental-reifen.de
Schwalbe Reifen, Hans-Dampf
Quelle: https://www.schwalbe.com
  • Breite, grossvolumige Reifen mit grobem Profil sorgen für genug Traktion. Vorschlag: Hinten Continental Baron 62-559 (26×2.4“) oder Schwalbe Magic Mary 60-559 (26×2.35“), vorne Continental Mountain King 58-559 (26×2.3“) oder Schwalbe Hand Dampf 60-559 (26×2.3“).
  • Achtung: MTB-Reifen welche das Prädikat Rennreifen tragen, sind mit sehr weichen Gummi-Mischungen hergestellt, das hohe Drehmoment an MTB-Handbikes wird solche Reifen in kürzester Zeit zerreiben, besonders wenn eine E-Unterstützung mittreibt.

Sicherheit

  • Beine und Füsse müssen an einem MTB-Handbike so gesichert sein, dass sie bei einem allfälligen Sturz nicht abgedreht werden können.

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