Project Description

Renn-Handbike Strasse

Die ersten paar tausend Kilometer sind im Erstlings-Handbike gefahren. Du kennst dich mit dem Schalten dem Bremsen und zügig fahren aus.
Deine Hausrunde schaffst du in immer kürzerer Zeit. Vielleicht schraubst du schon an deinem Handbike herum um es schneller zu machen. Du beschäftigst dich mit Trainingsplänen und isst vernünftig.
In dir wächst der Reiz dich mit anderen zu messen.

Die Zeit für ein Renn-Handbike ist gekommen.

Aber wie soll dieses Gerät zusammengestellt sein?

Schnellübersicht Renn-Handbike Strasse

Sitzposition: Aerodynamisch optimierte Liege- / Knie- / Amputierten-Positionen

Rahmen: Massgeschneiderte Aluminium- und Carbonrahmen, minimalste Einstellbarkeit. Gemäss UCI Reglement

Schaltung: Kettenschaltungen mit wechselbaren Übersetzungsverhältnissen. Oft elektronisch geschaltet.

E-Antriebe: Nicht möglich.

Bremsen: Zwei Rennrad Felgenbremsen. Für Tetraplegiker mit Ellbogen betätigt, selten Rücktritt.

Radsturz: kein oder nur wenig. Gesamtbreite min. 55cm max 70cm Spurbreite. Bevorzugt schmal

Räder: Vorne 559 (25″) oder 571 (26″) / hinten 559 (25″) oder 406 (20″)

Reifen: schmal 23 mm bis 25 mm, nicht profilierte Slick Reifen oder Collé.

Sicherheit: Safety Bar, Kettenblatt Abdekungen und Fuss-Schutz gemäss Reglement.

Sitzposition

Die wichtigsten Rennen in den verschiedensten Rennserien finden auf relativ flachen Strecken statt. Die Rennen werden dadurch in sehr hohen Geschwindigkeitsbereichen gefahren. Die Aerodynamik ist für diese Voraussetzungen das massgeblichste Kriterium.

Es ist unumstritten und wissenschaftlich belegt, dass mit Knie- / Amputierten- und Langsitz-Handbikes mehr Watt auf die Kurbel gewuchtet werden kann. Das Beschleunigungsvermögen eines Kniebikers ist ungleich grösser als das eines Liegebikers. Genauso verhält es sich am Berg. In der Fläche jedoch, reicht diese Mehr an Leistung nicht aus um den grösseren Windwiderstand aufzuheben. So fahren viele Handbiker, die zwar behindertenbedingt knien könnten, trotzdem Liegebikes.

  • Liegebiker liegen extrem flach in ihrem Bike. Sie gehen immer ans Limit des reglementarisch Erlaubten. Zum Beispiel UCI Rulebook, Punkt 17.002: In der vollen Sitz-/Liegeposition müssen die Augen ab Boden gleich oder höher sein als die Mitte des Kurbelgehäuses.
  • Die Sitz- im Liegebike wichtiger die Rückenkontour muss optimal am Körper angepasst sein. Oft geht das nur mit Orthopäditechnischen Anpassungen.
  • Einzelne Rennfahrer fahren in Knie- / Amputierten- oder selten Langsitzversion Rennen. Sie werden damit automatisch in die höchsten Klassen H5 (Fussgänger) oder H4 eingeteilt.
Mehr zu Sitzpositionen

Rahmen

Carbonbike Rahmen
Quelle: http://carbonbike-usa.com/
Heinz Frei Ellbogen nahe am Boden
Quelle: Schweizer Paraplegiker Stiftung, Handbike-Andi
  • Die Rahmen richtig schneller Renn-Handbikes bestehen heute aus höchstwertigem Aluminium, dessen Rohre durch Hydroforming optimiert wurden oder aus Carbon.
  • Der eigentliche Rahmen soll so schmal und so flach wie möglich gehalten werden. Dafür werden schon mal Abstriche in der Lebensdauer in Kauf genommen.
  • Um Gewicht einzusparen werden die Einstellmöglichkeiten auf ein absolutes Minimum reduziert. Oft kann nur noch der Rückenwinkel um ein paar wenige Grade und die Beinlänge um ein paar Zentimeter eingestellt werden, alles andere wird auf Mass hergestellt.
  • Als Bodenfreiheit hat sich beim Renn-Handbike 8 cm als richtig eingependelt. Weniger führt zu Luftwirbel unter dem Rahmen und damit zu erhöhtem Luftwiderstand. Zudem schlägt der Rahmen schnell auf.
  • Nicht vernachlässigt werden darf die Armlänge des Fahrers. Bei zu tiefer Sitzfläche droht Verletzungsgefahr durch Berühren der Strasse mit dem Ellbogen.
mehr zu Rahmen

Handgriffe / Schaltung

  • Superleichte anatomisch passende Alu oder Carbongriffe sind am Renn-Handbike nicht mehr wegzudenken.
  • Viele Rennfahrer schalten mit elektronischen Schaltungen, wie z.B. Shimano Di2. Die Schaltvorgänge werden dadurch verkürzt und das leidige Nachjustieren wird nur noch selten nötig.
  • Renn-Handbikes verzichten nach Möglichkeit auf diese fliegenden Kabel. Bremshebel werden gerne an den Rahmen montiert.
mehr zu Handgriffen und Schaltelementen
Rennbike Brems-Schaltung TopEnd
Quelle: www.topendwheelchair.com
Rennbike Bremshebel TopEnd
Quelle: www.topendwheelchair.com

E-Handbike Antriebe

Selbstredend ist jegliche Art von elektrischere Unterstützung des Antriebes an Rennhandbikes verboten.

mehr zu E-Handbike Antrieben

Bremsen am Renn-Handbike

Beim Renn-Handbike zählt jedes Gramm, zudem finden die Strassenrennen und Einzelzeitfahren, der wichtigsten Rennserien, auf relativ flachen Strecken statt. Diesem Umstand tragen super leichte Rennrad Felgenbremsen Rechnung.

  • Gemäss UCI Reglement müssen Rennbikes über zwei unabhängig voneinander funktionierenden Bremsen verfügen.
  • Sehr häufig kommen zwei Rennrad Felgenbremsen in der Art von Shimano Dura Ace oder SRAM Force zum Einsatz. Einige Rennfahrer entdeckten bereits die superleichte Titanbremse July 21.
  • Viele Rennhandbikes dehnen das Reglement an die Grenze in dem sie mit nur einer Bremse verzögern, die zweite wird mit einem Daumenschalthebel bedient und nimmt die Funktion der Feststellbremse wahr. Zwar könnt die im Notfall benutzt werden, was allerdings eher umständlich und unsicher ist.
  • Scheibenbremsen haben im Handbike Rennbereich nach wie vor einen schweren Stand, obwohl mittlerweile extra leichte Rennrad-Scheibenbremsen von Campognolo, SRAM und Shimano auf dem Markt angeboten werden.
mehr zu Bremsen
Rennbike Maddiline, Bremse DuraAce
Quelle: www.maddilinecycle.com
July 21 Titan Felgenbremsen
Quelle: www.superlite-bikeparts.com
Renn-Handbike Scheibenbremse Campagnolo
Quelle: www.tour-magazin.de

Radsturz

Alex Zanardi
Quelle: http://www.alex-zanardi.com
Kein Radsturz am Handbike
Quelle: Haspa-Marathon 2015, www.hamburg.de

Beim Renn-Knie- bzw Amputierten-Handbike könnte man die Aerodynamik als Argument für Radsturz gelten lassen. Bei dieser Art Renn-Handbike «versteckt» sich das Rad hinter dem Rücken des Fahrers wenn es denn genügend Radsturz hat. Alex Zanardi vertritt diese Idee, ob seine sensationellen Resultate diesem aerodynamischen Trick geschuldetet sind, wage ich zu bezweifeln.

Für alle anderen Rennfahrer gibt es keinen plausiblen Grund für Radsturz an einem Renn-Handbike, im Gegenteil Radsturz erhöht den Rollwiderstand und lässt die Reifen auf einem dafür nicht vorgesehenen Bereich ablaufen.

Es gibt Gerüchte, dass es reglementarische Vorschriften gäbe die Radsturz vorschreiben!

UCI Rulebook, Punkt 17.007: Die Spurbreite an der Achse darf min. 55 cm und max 70 cm sein. Gemessen mitte/mitte Reifen bei der Strassenauflage.

Die UCI Norm beschreibt einzig die Spurbreite sagt also nichts über den Radsturz aus.

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Räder

Der Rennfahrer denkt in Sachen Räder erstmal nur Speed. Bei der Radwahl ist der optimierte Rollwiderstand das wichtigste. Die Radgrösse an Fussgänger-Rennrädern ist reglementarisch auf ETRTO 622 (28“) festgelegt.
Nicht so beim Handbike. Wir dürfen, im Rahmen des UCI Reglements von 406 (20“) bis 622 (28“) wählen.

  • Die in an Fussgänger-Rennrädern genormte Grösse von 622 (28“ – französisch 700) bietet zwar eine fast unermesslich grosse Auswahl an Laufrädern, Felgen und Reifen, ist aber für das Handbike nicht geeignet. Das Rad ist zu gross, die seitlichen Kräfte welche in Kurven auftreten verziehen das Rad so stark, dass die Felge an den Bremsen streifen. Mehrere Handbiker und Handbike-Hersteller können von misslungenen Versuchen erzählen.
  • Etwas kleiner und somit steifer sind die 571 (26“ – französisch 650) Räder aus dem Thriathlon Sektor. Zwar sind sie nicht mehr so häufig zu sehen wie auch schon, da die Reifenhersteller sich immer mehr auf die 28“ einschiessen. Das Angebot an schnellen Reifen in der ETRTO Grösse nimmt leider ab.
    Trotzdem eignet sich diese Radgrösse nach wie vor für das Renn-Handbike besonders fürs Vorderrad.
  • Hinten zeigt der Trend wieder zurück zu den kleinen 406 (20“). Der Fahrer bekommt mehr Raum für die Arme. Das 406er Rad ist auch aerodynamischer.
  • An Rennen werden fast nur noch hohe Carbonprofil-Felgen oder sogar Scheibenräder gefahren. Namhafte Hersteller bieten sogar extra Räder fürs Handbike.
  • Viele Rennfahrer leisten sich zwei Radsätze. Einen mit Carbonfelgen oder Carbon-Scheibenräder für Schlauchreifen (Collé / Tubular) für den Wettbewerbseinsatz. Der andere Radsatz fürs Training sind dann meistens Alufelgen für Reifen mit Schlauch (Clincher).
mehr zu Rädern
ZIPP 303, 571 Carbonrad
Quelle: https://www.zipp.com/wheels/
Corima Carbon Rad 20
Quelle: https://www.corima.com/

Reifen

Continental Competition Collé
Quelle: www.continental-reifen.de
Continental GP4000s Rennreifen
Quelle: https://www.continental-reifen.de
  • Rennhandbikes stehen auf schmale 25 mm oder sogar nur 23 mm. Schmale Reifen sind aerodynamisch optimiert und können mit höheren Luftdrücken gefahren werden was den Rollwiderstand verringert.
  • Das leichtere Gewicht mindert die rotierende Masse was wiederum die Beschleunigungswerte steigert.
  • Hohe Kilometerleistungen und guter Pannenschutz gehören nicht zu den Kernkompetenzen eines Rennreifens.
mehr zu Reifen

Sicherheit

Im Rennsport gelten in erster Linie die Reglemente der Veranstalter. Die Reglemente wollen Verletzungen verhindern und eine gewisse Gleichstellung erreichen. Der Rennfahrer sollte sich vor einem Rennen vergewissern, welche Reglemente gelten und ob sein Sportgerät entsprechend ausgerüstet ist. Das UCI Regelement kann hier nachgelesen werden.

Die wichtigsten Sicherheitsvorschriften nach UCI sind:

  • Das Rennhandbike muss mit zwei unabhängig voneinander funktionierenden Bremsen ausgerüstet sein.
  • Freie Sicht in der Liegeposition. Augen höher als Kurbelgehäuse.
  • Rückspiegel entweder am Helm oder am Rahmen.
  • Kniepositions-Fahrer müssen ihre Beine und Füsse gegen Bodenberührung schützen.
  • Das grösste Kettenblatt muss über eine Abdeckung verfügen die ausreichend stabil ist und das Kettenblatt vollständig abdeckt.
  • Bein- und Fußstützen müssen nach Bedarf so angebracht werden, dass sie die gelähmten unteren Gliedmaßen vor allen beweglichen Teilen sicher schützen. Handbiker müssen Schuhe tragen.
  • Jedes Rennhandbike muss über eine Stoss-Stange (safety bar) verfügen.
mehr zu Sicherheit
Kettenschutz und Rückspiegel
Quelle: Schweizer Paraplegiker Stiftung, Handbike-Andi
Safetybar an Raptor4all
Quelle: www.proactiv-gmbh.de

Besonderes / Zubehöre

Camelbak Unbottle 3L
Quelle: https://international.camelbak.com/
  • Der Rennfahrer hat keine Hand frei, trotzdem ist die Zuführung von genügend Flüssigkeit essenziell. Ein kluges Getränkesystem mit Schlauch der ohne Hände in den Mund geführt werden kann ist nötig.

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