Radgrössen, verschiedene Normen

Über den Lauf der Zeit haben sich verschiedene Normen ergeben, welche die Radgrösse von Fahrrädern definieren. Je nach Blickrichtung des Nutzers bzw. seiner geographischen Ansässigkeit bekommt eine andere Norm ihre Richtigkeit.

Die bekannteste und gleichzeitig ungenaueste Norm sind ZOLL Masse. ZOLL ist übrigens identisch mit den US-amerikanischen INCH (1 Zoll (1“) = 2.54cm).

ZOLL Massangaben für Radgrössen sind nicht etwa ungenau, weil ZOLL als Masseinheit, aus unserer metrischen Sicht etwas kompliziert ist, sondern weil sich im Laufe der Zeit die Parameter veränderten. Verwirrungen und Durcheinander ergaben sich mit den Weiterentwicklungen von Reifen und Felgen im Fahrradbereich.

Zoll Ursprung

Begonnen hat es wahrscheinlich in den 1930er Jahren mit den damals üblichen 26“ x 2 1/8“ Ballonreifen, der Reifen, bzw. das komplette Rad, besass tatsächlich einen Aussendurchmesser von ziemlich genau 26“ (559mm).

Die Fahrer wünschten sich dann etwas sportlichere und schmalere Reifen. Die Industrie reagierte mit 26“ x 1.75“ Reifen welche auf die bestehenden Felgen passen mussten. Weil sich die Masseinheit aber auf den Raddurchmesser mitsamt Reifen bezieht, verkleinerte sich der Gesamtdurchmesser mit dem neuen Reifen auf 25 5/8“. Wurde aber nach wie vor als 26“ Reifen angeboten. Als dann noch an der Felgenbreite Veränderungen vorgenommen wurden, veränderten sich die Aussendurchmesser nochmals.

Französische Norm

Ebenfalls den Aussendurchmesser inkl. Reifen wird bei den als französisch bekannten Massen gemessen, diesmal einfach in Millimetern und nicht in ZOLL. Hier werden die Reifenbreiten kurz mit einem Buchstaben deklariert, A weisst auf einen schmalen Reifen hin, D auf breite Reifen. Jeder kann sich selber vorstellen wie genau das bei dem heutigen Angebot an Reifen noch ist.

In den 1970 und 1980er Jahren begannen sich die Hersteller gegenseitig zu unterbieten was das Gewicht des Reifens für Rennräder betrifft. Im Zuge dieser Industriellen Entwicklung wurde auch gehörig geschummelt, denn plötzlich wurden 700 x 25 verkleinert auf 700 x 24 aber nach wie vor als 700 x 25 verkauft. Der Konkurrent konterte mit 700 x 23 welche er auch als 700 x 25 anbot. Das Rad wurde also immer kleiner, obwohl es ein 28“ oder eben 700er Rad blieb.

E.T.R.T.O.

Die ISO (International Standardization Organization) hat ein universelles System von der E.T.R.T.O. (European Tyre and Rim Technical Organisation) übernommen, das diese Verwirrungen um die Radgrössen aufheben soll.

E.T.R.T.O. beschreibt nicht mehr den Aussendurchmesser des Rades mitsamt Reifen, sondern den Durchmesser der Felge. Dadurch wird die Wahl von Reifen deutlich einfacher. Man kennt seine Felge, im Handbike-Bereich oft 559 mm, und kann darauf Reifen von 23mm (23-559) bis 64mm (64-559) Breite aufziehen. Also von Rennreifen bis zu fetten MTB Reifen.

Der Durchmesser muss oder besser kann man sich selber ausrechnen, somit ist von Anfang an klar wie gross das Rad wird.

Beispiele:
23-559:              559 mm Felge + 2x 23 mm Reifen = 605 mm Gesamtdurchmesser.
64-559:              559 mm Felge + 2x 64 mm Reifen = 687 mm Gesamtdurchmesser.

Überblick Radgrössen Normen

Zoll – Reifenaußen-Ø × Breite (× Höhe) [Zoll]

FRA – Reifenaußen-Ø × Breite [mm]

ETRTO – Reifenaußenbreite – Felgenaußen-Ø [mm] Radgrössen

Leider machen die unterschiedlichen Normen die Rad- oder vor Allem Reifenwahl umständlich, wenn nicht sogar unverständlich. Immerhin wurde mit der E.T.R.T.O. Norm eine allgemein und weltweit verständliche Angabe geschaffen die das Zeug dazu hat, zukünftig das Radgrössen Problem zu lösen.

Der Einfachheitshalber verwende ich in dieser Arbeit vorwiegend die E.T.R.T.O Bezeichnung.