Position des Motors

Wo ist nun die richtige Position des Motors bei E-Handbikes?

Hier sind ein paar Vorschläge für Vor- und Nachteilen bei Front-, Mittel- und Heckmotor Anbau aufgelistet.

Frontmotor

Frontmotor im antreibenden Vorderrad. Das ist die bekannteste und einfachste Variante. Motor und Sensorik sitzen in der Nabe, genau genommen wird die Nabe zum Motor. Der oder die Akkus findet man bei Vorspann-Handbikes neben oder über dem Rad, bei Festrahmen-Handbikes meistens hinter des Fahrers auf dem Rahmen.
Das Gewicht des Motors bringt zusätzliche Traktion und das Handbike wird im Gelände agiler.
Der Frontmotor kann auch mit rekuperierenden Systemen betrieben werden. Das heisst bei Bergabfahrt polt der Controller den Motor zum Generator um und dieser wird zum stromerzeugenden Minikraftwerk, lädt den Akku und bremst nebenbei das ganze Gefährt bequem.

ProActiv NJ1 BionX D-Serie
Quelle: www.proactiv-gmbh.de

Mittel- / Tretlagermotor

Otto Bock eMano3 mit Mittelmotor
Quelle: www.ottobock.de
Bafang Mittelmotor mit 1000Watt
Quelle: https://www.bafang-e.com/de

Mittelmotor oder Tretlagermotor an der Kurbel. Motor, Sensorik und Controller sind direkt an der Kurbel angeflanscht, die Kraft des Fahrers wird mit der Kurbel ins System eingeführt und zusammen mit der Motorkraft an die Kette abgegeben. Vorne in der Gabel sitzt ein herkömmliches Rad mit der gewünschten Schaltung.

Die Vorteile dieser Anordnung liegen darin, dass ein herkömmliches Laufrad verwendet werden kann. Besonders Menschen mit eingeschränkter Handfunktion sind oft auf Rücktrittbremsen angewiesen, bei dieser Motorenwahl bleibt diese Option offen.
Möchte jemand das Handbike zum Beispiel abwechselnd als Touren- oder Mountain-Handbike nutzen, wird nicht jedesmal einen Reifenwechsel nötig, denn er kann sich einen relativ günstigen zweiten Radsatz zulegen trotz E-Motor.
Der  Mittelmotor setzt den Schwerpunkt am Handbike nach oben und somit neigt es eher zum Kippen.

Es gibt Mittelmotoren (z.B. Bafang MM G320.1000) die bis zu 160 Nm Drehmoment liefern. Solche Motoren ermöglichen es dem Handbiker, locker mit dem Tempo von Fussgängern mitzuhalten und das auch am Berg. Technische Inklusion.

“Echter” Mittelmotor im Handbike

Wie kann man die Vorteile des Mittelmotors im Handbike nutzen und trotzdem nicht auf tiefen Schwerpunkt und hohe Traktion verzichten?

Diese Frage stellen sich innovative Handbike Hersteller schon seit einiger Zeit.
An Froschposition-MTB-Handbikes stellt sich die Frage erst gar nicht. Durch die sehr tiefe Position des Tretlagers sitzt auch ein Tretlagermotor sehr tief. Der Hinterradantrieb bietet von Haus aus sehr grosse Traktion.
Sport-On ist es gelungen auch für Handbikes in Standard-Sitzposition diese Performance umzusetzen. Als Sahnehäubchen oben drauf gibts noch eine Federung an allen Rädern. Jeetrike heisst das interessante CrossCountry-Handbike.

MTB-Handbike Explorer mit MittelmotorExplorer Mittel-MotorMTB-Handbike Fat-Explorer MittelmotorFat Explorer Motorausschnitt
Quelle: Jarek Rola Privatarchiv
Sport-On Jeetrike Mittelmotor
Quelle: http://www.sport-on.com/

Hinterrad-Motor

Reactive Nuke Offroad Handcycle
Quelle: www.reactiveadaptations.com

Heckmotor in den hinteren Rädern. Beim Handbike in Tadpole-Trike Anordnung (zwei Räder vorne / ein Rad hinten) übernimmt der Heckmotor dieselben Eigenschaften wie im Vorderrad beim Handbike mit Delta-Trike Anordnung (ein Rad vorne und zwei Räder hinten). Der Motor treibt und bremst das eine Antriebsrad an.

Roadrace PowerPod
Quelle: www.electricbikereport.com

Aus den USA stammt die spannende Idee des „RoadRACE Power Pod“. Ein einzelnes Rad, ausgerüstet mit Motor und Akku wird mittels Schnellverschluss hinten an ein handelsübliches Handbike angeflanscht. Diese Variante kommt ohne Sensorik aus ist also ein reiner Elektrofahrmotor, der Fahrer ruft über einen „Gashebel“ die gewünschte Leistung ab. Dieses System ist vor Allem auf Speed ausgelegt und dürfte nicht mit europäischen Verkehrsgesetzen vereinbar sein.

Dubs/Electrolyte Heckantrieb PrototypDubs/Electrolyte Hinterradantrieb
Quelle: Rolf Dubs Privatarchiv

Aus der Schweiz kommt der Gedanke, in jedes der beiden Hinterräder eines klassischen Handbikes je einen Elektromotor zu verbauen.
Mike Dubs der Ingenieur und Sohn eines Paraplegikers, baute zusammen mit der Electrolyte GmbH, Adapter um in jedes Hinterrad je einen 250 Watt Getriebemotor zu bauen. Dazu spiegelte Electrolyte einen Motor, damit der „verkehrtherum“ dreht und entwickelte eine neue Steuerung. Die Motoren werden nun über einen Hall-Sensor an der Kurbelwelle über Daten des Fahrers informiert. Als schönes und angenehmes Gadget wurde dem Antriebssystem eine kräftige Starthilfe spendiert.
Wer kennt nicht die Situation, beim Losfahren von der Ampel festzustellen dass ein viel zu grossen Gang eingelegt ist? Ein kurzer Druck auf den Startknopf und die Fuhre geht ab wie die Feuerwehr.

Ich kann aus eigenen Testfahrten berichten, dass das System Traktionsprobleme in die Märchenecke verbannt und einfach nur Spass macht.
Das System ist aktuell (Februar 2018) an einem älteren Sopur Shark als Prototyp verbaut und in der Phase wo es vom Prototypen zum Serienprodukt reift. Läuft alles rund und wie geplant, wird das System am Stand eines bekannten österreichischen Handbike-Herstellers offiziell vorgestellt.

Stricker Handbikese Lupo Heckmotor
Quelle: www.stricker-handbikes.com

Umgesetzt hat die Idee mit den zwei antreibenden Motoren hinten, bereits Reiner Stricker am Lupo.